Das Übel sanft ertasten

Ihr Blick ist konzentriert, während ihre Hände den Bauchraum ihrer Patientin abtasten. Diese leidet schon lange unter starken Rückenschmerzen. Katrin Brück forscht nach der Ursache. „Häufig bewirken Verstopfungen Schmerzen im Rücken, der Darminhalt drückt dann auf die Nerven der Lendenwirbelsäule“, sagt die Osteopathin. Von

Katrin Brück erspürt die Zusammenhäng e hinter dem Schmerz. Foto: Lammers

BREMERHAVEN (ala). Ihr Blick ist konzentriert, während ihre Hände den Bauchraum ihrer Patientin abtasten. Diese leidet schon lange unter starken Rückenschmerzen. Katrin Brück forscht nach der Ursache. „Häufig bewirken Verstopfungen Schmerzen im Rücken, der Darminhalt drückt dann auf die Nerven der Lendenwirbelsäule“, sagt die Osteopathin, deren Wissensdurst sich bei weitem nicht nur auf ihre tägliche Praxis reduziert: Zurzeit forscht sie nämlich außerdem für ihre Doktorarbeit.

„Ich wollte einfach mehr über die funktionalen Zusammenhänge der Organe und mehr über die möglichen Ursachen von Beschwerden wissen“, sagt Katrin Brück. „Wissen Sie, eine unbehandelte Ursache kann manchmal glatt zehn verschiedene Störungen hervorrufen.“ Die Schulmedizin würde dann zumeist vorrangig die Störungen behandeln. Die eigentliche Ursache bliebe jedoch unentdeckt. „Ich habe viele Patienten, die schon einen langen Leidensweg hinter sich haben“, sagt sie. Aber: „Natürlich braucht die Osteopathie auch die Schulmedizin. Wenn jemand operiert werden muss, muss er operiert werden, keine Frage.“ Doch häufig bliebe die eigentliche Ursache trotz Operation unentdeckt. Für Rückenschmerzen beispielsweise seien recht häufig träge Därme, Blase oder Nieren, gynäkologische Störungen oder auch die Leber verantwortlich: „Und hier spielt dann auch eine Ernährungsumstellung und die Aufnahme von Wasser eine große Rolle.“ Nach Operationen sorge Narbengewebe nicht selten für Probleme im Bauchraum, die sich dann an ganz anderer Stelle äußerten. Es käme auch durchaus vor, dass Organe „fest säßen“, so dass Katrin Brück die enstehende Spannung mit den Händen auflösen müsse. Um zu erkennen, an welcher Stelle der Hase im Pfeffer liegt, Muskeln, Gewebe, Gehirn oder Organe gelöst werden müssten, erfordere es eine ganze Menge Erfahrung und Wissen. „Ich denke in funktionalen Zusammenhängen, wenn ich auf der Suche nach den Ursachen für Beschwerden bin. Es gilt, nicht nur das Organ, welches gerade Schmerzen verursacht, anzuschauen, sondern andere mögliche Auslöser zu finden.“ Hierfür benötigten Osteopathen ein umfangreiches Wissen über Anatomie und die Physiologie des gesamten Körpers. Um so engagierter kämpft die 42-Jährige dafür, dass der Beruf geschützt wird, denn es gäbe durchaus Physiotherapeuten, die sich nach einigen Lehrgängen auch Osteopathen nennen, aber keine akademische Ausbildung besäßen.

Um das ihrer Meinung nach notwendige Knowhow für eine osteopathische Behandlung zu erlangen, studierte Katrin Brück nach ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin und Heilpraktikerin Osteopathie in Hamburg und Dresden.

Ihre Doktorarbeit schreibt sie zurzeit am Hamburger Lehrstuhl für Sport- und Bewegungswissenschaften. Thema: Chronische Achillessehnenentzündung – wie sich osteopathische Behandlungstechniken auswirken. Das Literaturstudium hat die 42-Jährige bereits hinter sich, jetzt geht es an die einjährige Studienphase mit Probanden. Und wenn alles gut geht, ist sie im Jahr 2015 eine von rund 50 promovierten Osteopathen Deutschlands.

Artikel vom 14.12.13 - 23:56 Uhr
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