Stadt Bremerhaven

Ein Geben und Nehmen

Bei „wellcome“ stehen Ehrenamtliche frischgebackenen Eltern mit Rat und Tat zur Seite

Bremerhaven. „Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Doch in Deutschland ist dieses „Dorf“ längst nicht mehr selbstverständlich: Frischgebackene Eltern können nicht generell auf die Hilfe von Großeltern, Geschwistern und Freunden setzen, wenn sie sich mit ihrem Baby überfordert fühlen und sich nach Unterstützung sehnen. Denn: Angehörige sind häufig über die ganze Welt verstreut. Eine Situation, in der „wellcome“, ein Projekt für praktische Hilfe nach der Geburt, helfen will.

Das Netzwerk aus Ehrenamtlichen steht jungen Familien mit Rat und Tat zur Seite, ist da, wenn junge Eltern einfach mal eine Stunde für sich allein brauchen oder ganz praktische Fragen zum Alltag mit dem Baby haben.

In Bremerhaven feiert „wellcome“ jetzt seinen ersten Geburtstag. Doch obwohl die Idee hinter dem Projekt gleichermaßen simpel wie genial ist, mangelt es im Moment noch an der Nachfrage.

Für Barbara Bendig ist das völlig unverständlich. Bendig ist eine von insgesamt 20 ehrenamtlichen Frauen, die sich spontan für das Projekt begeistert hat. Aus eigener Erfahrung sagt sie: „Ich hätte sofort zugegriffen, wenn es damals, als ich mit meinem Baby aus dem Krankenhaus nach Hause kam, so ein Angebot gegeben hätte.“

Die gelernte Krankenschwester ist davon überzeugt, dass es genug junge Familien in Bremerhaven gibt, die die Unterstützung durch „wellcome“ gut gebrauchen könnten. „Nur scheint es bei den Familien eine Hemmschwelle zu geben, unser Angebot in Anspruch zu nehmen“, ist sie überzeugt. Warum das so sei, könne sie nicht verstehen. Und nicht ganz ohne Stolz erzählt Bendig, dass sie bislang eine der wenigen „wellcome“-Mitarbeiterinnen in Bremerhaven sei, die eine junge Familie betreut hätte: „Fünf Monate lang habe ich einmal in der Woche einer jungen Familie etwas meiner Zeit geschenkt. Die junge Mutter hat die zwei Stunden meist dafür genutzt, Sport zu treiben.“

Immer donnerstags zwischen 10 und 12 Uhr kam Bendig zu der Familie nach Hause, um das sechs Monate alte Nesthäkchen auszuschieben oder mit dem Mädchen im Haus zu spielen. Ihre große Schwester war im Kindergarten, so dass sich Bendig ausschließlich um das Kleinstkind kümmern konnte. „Das war eine schöne Zeit“, erinnert sich die sympathische Frau, die selbst Mutter von zwei erwachsenen Töchtern – aber noch keine Oma – ist.

Zu ihren Beweggründen sagt sie: „Früher sind Großeltern oder Nachbarn eingesprungen, wenn eine junge Familie Hilfe und Unterstützung brauchte. Heute sind Frauen häufig auf sich gestellt, wenn es unter den Nägeln brennt.“ Da sei sie froh und dankbar, etwas von ihrer Zeit abgeben zu können. Und begeistert fügt sie hinzu: „Hinter dem Projekt ,wellcome‘ steht ein Geben und Nehmen. Ich investiere ganz viel, bekomme aber mindestens genauso viel zurück.“ Sei es ein Kinderlächeln, Zuneigung oder aber Vertrauen, ohne das „wellcome“ gar nicht funktionieren könnte.

Deshalb stehe vor jedem Einsatz auch zunächst ein Kennenlerngespräch, sagt Katrin Hantke, die das Projekt gemeinsam mit Marika Büsing über die Ehrenamt Agentur im Mehrgenerationenhaus Bremerhaven koordiniert. „Denn nur, wenn die Chemie zwischen den Parteien stimmt, kann der Einsatz für beide Seiten zum Gewinn werden“, ist Hantke überzeugt. Außerdem betont die „wellcome“-Koordinatorin, dass der Einsatz der Ehrenamtlichen auf das erste Lebensjahr des zu betreuenden Kindes begrenzt sei und die Mitarbeiter selbst bestimmen könnten, wie viel Zeit sie investieren wollen: „Ich vermittle die Kontakte, alles Weitere regeln die Ehrenamtlichen eigenverantwortlich“, so Hantke.

Wie erfolgreich die Idee von „wellcome“ generell ist, belegt die Tatsache, dass es seit der Gründung der „wellcome“-Zentrale in Hamburg im März 2002 bis 2008 bereits „wellcome“-Teams in zwölf Bundesländern gab. Die weiteren Planungen gehen davon aus, dass bis 2012 bundesweit mindestens 250 „wellcome“-Teams Familien unterstützen werden.

Informationen zu „wellcome“ gibt es im Mehrgenerationenhaus, An der Allee 10, 04 71/48 38 99 83 und 0471/ 9 24 13 22.