Wirtschaft

Ramadan führt zu Zwangspause

NORDDEICH. Herbststürme, eisige Winter, Turbulenzen am Markt und jetzt noch der islamische Fastenmonat Ramadan: Die wirtschaftlich angeschlagenen Krabbenfischer in Norddeutschland kämpfen weiter ums Überleben. Weil in Marokko während des Ramadan zeitweise keine Krabben gepult werden, haben die deutschen Fischer mal wieder eine Pause einlegen müssen. „Diese Zwangspause bedeutet eine fehlende Fangwoche mehr, das holen sie in diesem Jahr nicht mehr auf“, sagt Dirk Sander vom Landesfischereiverband Weser-Ems.

Im Jahresmittel lägen die Preise jetzt schon ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. Viele Fischer könnten bei Preisen unterhalb von drei Euro für ein Kilo nicht wirtschaftlich arbeiten und müssten bald aufgeben. Erst im Frühjahr hatten die Krabbenfischer vier Wochen gestreikt, nachdem niederländische Großhändler den Preis für ein Kilo auf 1,29 Euro drücken wollten. Kurzzeitig lag danach der Preis bei 3 Euro – danach fiel er wieder in 20-Cent-Schritten auf derzeit 2,50 bis 2,75 Euro.

Um den Preis hoch zu halten, haben sich organisierte Fischer zwar eine wöchentliche Höchstmenge von 2,2 Tonnen pro Schiff und ein Fangverbot am Wochenende auferlegt. „Einige Nicht-Organisierte halten sich jedoch nicht daran“, sagt Fischereifachmann Philipp Oberdörffer von der Landwirtschaftskammer Oldenburg. „Wir brauchen eine sozialverträgliche Lösung“, sagt Oberdörffer. Es habe zwar einige Fortschritte gegeben, etwa bei Sozialkostenzuschüssen und Beihilfen für neue Elektronikausrüstung, ohne Abwrackprämien müssten die Fischer weiter mit veralteten Schiffen hinausfahren und seien kaum konkurrenzfähig.

Das einwöchige Krabbenpul-Verbot in Marokko gibt es in jedem Jahr, doch früher wichen einige Firmen nach Polen aus. Zudem sind derzeit die Lager der niederländischen Großhändler gut gefüllt. Die holländische Firma Heiploeg nimmt rund drei Viertel des Fangs der deutschen Krabbenfischer ab. Die tiefgefrorene Ware kommt per Lastwagen nach Marokko, wird dort aufgetaut und geschält und wieder tiefgefroren zu den Abnehmern gebracht.